Landesmedienservice Burgenland

Doskozil eröffnet Sonderausstellung zu 100 Jahre Burgenland - Von Deutschwestungarn ins Burgenland

30.04.2021
Inoffizielle Eröffnung der Sonderausstellung durch LH Doskozil. Die Schau ist ab 30. April 2021 bis 30. Oktober 2022 öffentlich zugänglich.

Kulturreferent Landeshauptmann Hans Peter Doskozil eröffnete am Donnerstag, 29. April 2021, in Form eines gemeinsamen Ausstellungsbesuchs mit Landtagspräsidentin Verena Dunst, Bürgermeister Vinzenz Knor und dem Ausstellungskurator Dieter Szorger die Sonderausstellung „Von Deutschwestungarn ins Burgenland“ auf Burg Güssing. Aufgrund der strengen Sicherheitsmaßnahmen war keine Eröffnungsfeier mit Publikum möglich; die Schau ist ab 30. April öffentlich zugänglich. Die Schau ist eine von drei großen kulturhistorischen Ausstellungen, mit denen das Burgenland heuer sein hundertjähriges Bestehen feiert, und legt einen besonderen Fokus auf das Alltagsleben der Menschen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Schau „Unsere Amerikaner – burgenländische Auswanderergeschichten“ läuft bereits im Landesmuseum Burgenland in Eisenstadt, und am 15. August 2021 wird die Jubiläumsausstellung „Wir sind 100. Burgenland schreibt Geschichte“ auf Burg Schlaining eröffnet.
 
Die Ausstellung sei „nicht nur eine historische Zeitreise, sondern auch eine Liebeserklärung an dieses Land und seine Menschen“, betonte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bei der Eröffnung: „Kaum ein Bundesland hat so dafür kämpfen müssen, an Österreich angeschlossen zu werden. Deutschwestungarn war eine vergleichsweise gut entwickelte Region und man kann heute sagen, dass Ungarn mit dessen Angliederung an Österreich viel verloren und die Republik Österreich viel gewonnen hat. Das Jubiläumsjahr ist eine wunderbare Chance, sich mit den Ecken und Kanten, den Potentialen und den Liebenswürdigkeiten des Burgenlandes auseinanderzusetzen. Um die Zukunft gestalten zu können und um zu wissen, wohin wir gehen, müssen wir uns unserer Wurzeln bewusst sein und wissen, woher wir kommen“.
 
„Die Ausstellung verdeutlicht, wie schwer das Leben in der Zeit vor der Angliederung an das Burgenland war und macht uns bewusst, dass das Leben, wie wir es heute kennen, keine Selbstverständlichkeit darstellt und dass viele Menschen für den Kampf um das Burgenland ihr Leben lassen mussten. Das Jubiläum gibt uns die Möglichkeit, auch ihrer zu gedenken,“ sagte Landtagspräsidentin Dunst.
 
Bürgermeister Knor erklärte, es sei "für Güssing wichtig, mit dieser Ausstellung eine zentrale Rolle beim 100-Jahr-Jubiläum des Burgenlands zu spielen. Besonders freut es mich, dass ein zentrales Ausstellungsobjekt die Rekonstruktion der historischen Bahnhofsanlage von Güssing aus dem Jahr 1899 ist."
 
Vor 100 Jahren war das heutige Burgenland ein Teil Ungarns, der umgangssprachlich als Deutschwestungarn bezeichnet und im Wesentlichen die größtenteils von Deutschen und Kroaten besiedelten Teile der Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg umfasste. Die Ausstellung „Von Deutschwestungarn ins Burgenland“ erzählt die Vorgeschichte unseres Bundeslandes. Diese historische Zeitreise beginnt im Jahr 1848, dem Jahr der europäischen Revolutionen und endet mit dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie und der „Landnahme“ des Burgenlandes durch Österreich.
 
Ausstellungsinhalt
Die revolutionären Ereignisse des Jahres 1848 brachten zwar die Befreiung der „burgenländischen“ Bauern vom Untertanentum, die ersehnten bürgerlichen Freiheiten und eine ungarische staatliche Souveränität blieben jedoch verwehrt. Mit dem Ausgleich von 1867 erhielt Ungarn eine größere Eigenständigkeit zugestanden. Verbindendes Element der beiden Reichshälften war das Haus Habsburg, mit der Figur von Franz Joseph I., der als österreichischer Kaiser bzw. als ungarischer König viele Jahrzehnte regierte.
 
Während die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts eine vergleichsweise liberale Minderheitenpolitik mit sich brachte, wurde die ab den 1890er-Jahren verstärkt spürbare Magyarisierung von Deutschen und Kroaten als belastend empfunden. Die Jahrzehnte vor dem Anschluss an Österreich brachten das Entstehen einer vergleichsweise gut entwickelten Industrie und zahlreiche technische Innovationen. Eine besondere Bedeutung bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Region spielte die Eisenbahn.
 
Die Ausstellung setzt sich besonders mit dem Alltagsleben der Menschen des ausgehenden 19. Jahrhunderts auseinander. In der privaten Lebenswelt der „Burgenländer“ gewann die Fotografie zunehmend an Bedeutung. Langsam hielt auch die Elektrizität Einzug in die Ortschaften Deutschwestungarns. Telegrafie und Telefon revolutionierten die Kommunikation und noch vor dem Weltkrieg rollten die ersten Automobile durch das Land. Am Ende standen mit dem Ersten Weltkrieg die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ und der Zusammenbruch der Monarchie. Das Habsburgerreich wurde nach dem Willen der Siegermächte in Einzelstaaten aufgeteilt. Die Republik Österreich entstand auf Grundlage der Friedensverträge von St. Germain und Trianon und es waren auch diese Verträge, welche die Angliederung Deutschwestungarns als eigenständiges Bundesland an die Republik Österreich ermöglichten.
 
Die Geschichte dieser Jahre wird mit zahlreichen noch nie veröffentlichten Fotografien, historischen Filmdokumenten aus österreichischen und ungarischen Archiven, durch authentische Lebensgeschichten sowie zahlreiche private Erinnerungsstücke in einer lebendigen Form erzählt. Zu sehen ist das älteste Foto des Burgenlandes, das aus Mattersburg stammt und 1859 aufgenommen wurde. Ausgestellt sind auch zahlreiche handschriftliche Dokumente wie Stammbücher und Tagebücher. Erstmals öffentlich ausgestellt wird das Tagebuch des Seligen Ladislaus Batthyány. Darin erzählt er die Schwierigkeiten in Bezug auf die medizinische Versorgung im Burgenland in Zeiten der Spanischen Grippe. Die ältesten Filmaufnahmen aus dem Burgenland, Bilder von den Kämpfen des Jahres 1921 und Szenen aus der Ersten Sitzung der Burgenländischen Landesregierung und des Landtages sind ebenfalls zu sehen.
 
Das wissenschaftliche Team bilden Dieter Szorger und Michael Achenbach (Kuratoren) sowie Christian Ratz (wissenschaftliche Assistenz), für Grafik und Produktion zeichnet Evelyn Rabold verantwortlich.
 
Sammelaktion
Im Frühjahr 2021 führte das Land Burgenland eine burgenlandweite Suche nach Ausstellungsexponaten durch und wurde dabei von den burgenländischen Medien intensiv unterstützt. 84 Burgenländerinnen und Burgenländer haben persönliche Erinnerungsstücke für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Für die Ausstellung und den für Juli 2021 geplanten digitalen Begleitband wurden fast 800 – größtenteils private – Fotoaufnahmen zur Verfügung gestellt. Es gelang in dieser Sammelaktion auch, das älteste Foto des Burgenlandes zu finden, das ebenfalls in der Ausstellung präsentiert wird.
 
Schulprojekt „Schüler führen Schüler“
Im Rahmen eines Schulprojektes der ECOLE-Güssing - Höhere Bundeslehranstalt und Fachschule für wirtschaftliche Berufe sind Schulführungen möglich. Acht Schülerinnen und Schüler – je vier mit der Muttersprache Deutsch und vier mit Ungarisch als Muttersprache – nehmen an dem Projekt teil und werden von den Kuratoren zu Kulturvermittlern für die Sonderausstellung ausgebildet. Damit können auch ungarische Schüler und Erwachsene durch die Ausstellung geführt werden.
 
Dokumentation zum Vertrag von St. Germain
Eine kurze Dokumentation über den Vertrag von St. Germain (1919) und seine Auswirkungen auf das Burgenland ist ein weiteres Sonderprojekt, das im Zuge der Ausstellung realisiert wurde. Der Film wurde von den Kuratoren wissenschaftlich begleitet und hat eine Länge von 11 min. Die Filmdokumentation ist in der Ausstellung zu sehen.
 
Filmische Biografien
Drei Persönlichkeiten des ausgehenden 19. Jahrhunderts erzählen in der Ausstellung ihre persönlichen Lebensgeschichten. Eva Maria Marold schlüpft in die Rolle der kroatischen Arbeiterin Hanna Sturm und erzählt über ihre schwere, vom Arbeiten in Fabriken und von Misshandlungen gezeichnete Kindheit. Georg Kusztrich verkörpert den Revolutionär, Pfarrer und Abgeordneten des Ungarischen Unterhauses Anton Herics und Georg Leskovich verkörpert einen westungarischen Heizer auf dem im Ersten Weltkrieg untergehenden ungarischen Schlachtschiff „Szent Istvan“. Peter Wagner führte Regie und Max Leimstättner war für Kamera, Ton und Postproduktion verantwortlich. Die Figuren und die erzählten Geschichten sind real. Die Filmbiografien sind mit ungarischen Untertiteln versehen.
 
Rekonstruktion des Bahnhofes von Güssing
Mit Unterstützung der Stadt Güssing ist es gelungen, eine maßstabgetreue Rekonstruktion des 1899 eröffneten Bahnhofes von Güssing in die Ausstellung zu bekommen. Das Modell hat eine Länge von fast 4 m und wurde nach historischen Fotos und originalen Dokumenten eigens für die Sonderausstellung gebaut. Das Modell wird nach Ende der Ausstellung weiterhin in der Stadt Güssing zu sehen sein und wurde von einem Team um Dr. Manfred Klepeisz und Walter Reiss konstruiert.
 
Der Ausstellungsort
Burg Güssing hat jährlich mehr als 15.000 Ausstellungsbesucher und zählt damit zu einem der besucherstärksten burgenländischen Museen. Neben der Sonderausstellung „Von Deutschwestungarn ins Burgenland“ ist auch im Jubiläumsjahr die Burgausstellung zu besichtigen.
 
Jubiläumsticket für alle drei Sonderausstellungen
Ein eigens kreiertes Jubiläumsticket zum Preis von 20 Euro ermöglicht den Besuch von allen drei Sonderausstellungen zu 100 Jahre Burgenland.
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